Myofunktionelle Störung

Version vom 13. Juni 2008, 19:33 Uhr von AFillbrandt (Diskussion | Beiträge) (Die Seite wurde neu angelegt: Myofunktionelle Störungen bezeichnen Störungen der Kraft und Bewegung mimischer Muskelgruppen. Dieser Begriff wird meist im Bereich der [[:Kategorie:Kindersprache|Kin...)

(Unterschied) ← Nächstältere Version | Aktuelle Version (Unterschied) | Nächstjüngere Version → (Unterschied)

Myofunktionelle Störungen bezeichnen Störungen der Kraft und Bewegung mimischer Muskelgruppen. Dieser Begriff wird meist im Bereich der Kindersprache verwandt.

-> Vergleichbar mit Dysphagie bei Erwachsenen

-> Vgl. Gesichtsmuskulatur

Ursachen

Praenatal

  • Missbildungssyndrom (z.B. Morbus Down)
  • Skelettanomalien (z.B. LKG-Spalte)

Perinatal

  • Sauerstoffunterversorgung bei der Geburt -> Minderleistung bei der WN
  • alle „exotischen“ Fälle (z.B. Zangengeburt o.ä.)

Saug-Schluck-Reflexes

  • Von Geburt an ist die Zunge vor verlagert, wird im Laufe der Entwicklung eigentlich nach hinten verlagert. Auf Grund verschiedener Faktoren kann es aber zu einem "Festhalten" am Saug-Schluck-Reflex kommen:
    • falsches Stillen oder auch fehlendes Stillen
    • zu lange oder falsche Flaschenernährung
    • zu spätes Gewöhnen an den Löffel (4.-6. Monat)
    • Haltung beim Essen und Trinken
    • falsches Nahrungsangebot: Kauen, Trinken beim Essen

Daumen- und Schnullerlutschen

  • Lutschoffener Biss
  • Daumen ist der Zunge im Weg
  • Lippen können nicht schließen
  • Daumen übt Druck auf den Gaumen aus - dieser bleibt gotisch

Ungünstige Zahn- und Kieferstellung

  • z.B. Kreuzbiss -> Mahlbewegungen schwierig
  • Progenie -> Vorgeschobener Unterkiefer:
    Zunge liegt im Mundboden in der Ruhestellung. Es kann zum Verschlucken kommen
  • offener Biss

Kieferorthopädische Geräte

  • Fremdkörper im Mundraum
  • Aktivatoren und Bionatoren
  • Oberkieferplatten (Spangen)
  • Palatinalbügel

Alle diese Hilfsmittel behindern die Beweglichkeit der Zunge und stelllen ein Hindernis dar

Behinderung der Nasenatmung

  • Atmen durch den Mund behindert physiologische Zungenstellung: Gaumenformung ungenügend

Angewachsenes oder zu kurzes Zungenbändchen

  • Ankytoglosson
  • verkürztes Frenulum

Nachahmung

Wenn die Geschwister lispeln, ahmen manche Kinder dieses nach.

Außerdem

  • Anlage- und konstitutionsbedingte MFS
  • Körperliche- bzw. psychische Überforderung, Stress
  • Cerebrale Bewegungsstörungen, z.B. Spastiken wirkt sich auf die Zunge aus, überhöhter Muskeltonus verhindert physiologisches Schlucken
  • Athetos: Bewegungen sind überschießend - komplizierte Zungenführung schwierig
  • Ataxie: Ausbalancieren der Bewegungen schwierig

Klinische Symptome einer MFS

  • inkompletter Lippenschluss (teilweise zu kurze Oberlippe), fehlende Muskeldehnung
  • gerötete dicke Unterlippe (durch ständiges Lecken), rissig
  • vermehrter Speichelfluss (Hypersalivation), evtl. mit perioralen Ekzemen
  • Mundatmung
  • Zugenprotrusion (Zungenvorstoß beim Schlucken)
  • interdentale Zungenlage
  • periorale Ekzeme (Ausschlag im Mundwinkelbereich)
  • Grimmmassieren beim Schlucken (Mitbewegungen, Naserümpfen)
  • Ausgeprägte Gaumenfalten (Rugae palatinae)
  • hoher, enger Gaumen
  • Dysgnathien (Gebissfehlstellungen)
  • AK-Störungen
  • Eindrücke am Zungenrand (Girlanden)
  • Eindrücke an der Wangeninnenseite
  • Hypertonie, Hypotonie des gesamten Habitus- Schmerzfunktionssyndrom (Schmerzen bei Kieferöffnung, Knacken, Verkrampfen)


Therapie bei MFS

Die Therapie bei einer myofunktionelle Störung setzt sich aus gezielten Übungen zur Eutonisierung der orofazialen Muskulatur zusammen und beinhaltet ebenfalls Wahrnehmungsübungen und meist auch ganzkörperliche Arbeit.