Sprachproduktionsmodell nach Stackhouse & Wells

Das Sprachproduktionsmodell nach Stackhouse & Wells ( 1997 ) basiert auf psycholinguistischen Überlegungen und stellt Verarbeitungsschritte der phonetisch - phonologischen Verarbeitung dar.

Das Therapieverfahren P.O.P.T : Psycholinguistisch orientierte phonologische Therapie basiert auf diesem Sprachproduktionsmodell und liefert daher Grundlagenwissen zur Planung und Durchführung einer erfolgreichen phonologischen Therapie.


Gruppen der Verarbeitungsprozesse

Die einzelnen Verarbeitungsprozesse lassen sich in drei Gruppen unterscheiden:


  • Prozesse der Inputverarbeitung
  • Prozesse der Speicherung ( mentale Repräsentationen )
  • Prozesse der Outputgenerierung



Ebene der Inputverarbeitung

Auditive Verarbeitung

Auditive Reize ( Geräusche, Töne, Sprache ) werden peripher über das Ohr verarbeitet. Hier ist die Qualität des Hörvermögens ( Außenohr, Mittelohr, Innenohr ) für die Verarbeitung maßgeblich. Eine Schallleitungsschwerhörigkeit wirkt sich hier z.B. negativ aus.


Diskrimination sprachliche / nicht - sprachliche Reize

Auf dieser Ebene wird unterschieden, ob auditve Reize sprachlich oder nicht - sprachlich sind. Die Verarbeitung ist hier noch prälinguistisch.


Phonologisches Erkennen

Bei einem sprachlichen Reiz wird auf dieser Ebene phonologisch entschieden, ob es sich um einen muttersprachlichen Inputreiz handelt. Dabei muss ein Abgleich mit vertrauten phonetischen Mustern erfolgen. Je nach sprachlicher Entwicklung sind Kinder auf dieser Ebene in der Lage sprachliche Einheiten in kleinere Einheiten zu segmentieren. Sprachliche Inputreize, die keiner dem Kind bekannten Sprache angehören, werden nicht weiter verarbeitet.

Auf dieser Ebene erfolgt noch keine Wortverarbeitung.


Phonetisches Diskriminieren

Dieser Prozess der Verarbeitung wird nur bei bestimmten Umständen aktiviert. Hier werden nur Phoneme und phonotaktische Strukturen verarbeitet, die nicht der Muttersprache angehören.



Ebene der Speicherung

Phonologische Repräsentation

Hier ist die Stufe der lexikalischen Repräsentationen erreicht.

Um ein gesprochenes Wort korrekt zu identifizieren, muss zunächst der Zugriff auf die phonologische Repräsentation erfolgen.

Hier ist das Wissen über die Wortformen gespeichert.

Ihr Inhalt ist eher abstrakt, sie enthalten Informationen, die notwendig sind, um die betreffende Einheit einer Silbe von anderen zu unterscheiden. Nicht alle phonetischen Informationen sind hier gespeichert, sondern allein die, die ausreichen, ein betreffendes Wort von anderen zu unterscheiden.


Semantische Repräsentation

Hier ist das Wissen über Bedeutungen gespeichert. Um die Bedeutung eines Wortes zu verstehen, muss der Zugriff auf die semantische Repräsentation erfolgen.


Motorisches Programm

Hier wird ein phonologisches Programm gespeichert, welches gestische Targets für die Artikulation enthält. Das können zum Beispiel Informationen über die Stellung und Bewegung der Artikulationsorgane sein.

Es wird angenommen, dass bei hochfrequenten Wörtern des täglichen Gebrauchs ein direkter Zugriff von der semantischen Repräsentation auf das motorische Programm erfolgt. So ist eine stärker automatisierte Produktion möglich, als wenn von der semantischen Repräsentation zunächst auf die phonologische Repräsentation zurückgegriffen werden müsste.



Ebene der Outputgenerierung

Motorisches Programmieren

Diese Ebene macht es möglich neue Worte sowie Unsinnsworte auszusprechen. Sie ermöglichen neue motorische Programme spontan erstellen zu können. Dabei wird auf einen Speicher zurückgegriffen, in dem phonologische Einheiten ausgewählt werden. Diese Einheiten werden dann in neue Kombinationen zusammengesetzt.



Motorisches Planen


Hier werden für die Artikulation relevante gestische Targets in der richtigen Abfolge zusammen gesetzt. Unabhängig davon, ob es sich um eine Benennaufgabe, spontansprachliche Äußerungen mit Abruf eines bereits existierenden motorischen Programmes handelt oder davon ob es eine Nachsprechaufgabe eines Unsinnswortes ist, bei dem ein neues Programm erstellt wurde.


Motorische Ausführung

Erst nachdem alle Prozesse der Outputgenerierung durchlaufen sind, kann die korrekte Artikulation erfolgen. Dies ist ein rein peripherer Prozess. Störfaktoren der Ausführung artikulatorischer Bewegungen können organische Veränderungen, wie LKG - Spalten sein oder durch Lähmungen der Muskeln hervorgerufen werden.