Sieben Schritte der Diagnostik

Die sieben Schritte der Diagnostik sollen dabei helfen, den Start einer neuen Therapie effektiv zu beginnen. Die Befunderhebung steht zu Beginn der Therapie. Sie bildet die Grundlage für die Inhalte der Therapie und gibt Hinweise auf Besonderheiten auch im Therapeutenverhalten.

Die logopädische Befunderhebung sollte in sieben Schritten ablaufen:

Die sieben Schritte der Diagnostik

Erstkontakt

Schon bei der ersten Kontaktaufnahme (z.B. am Telefon) können die Eltern nach dem Grund der Anmeldung gefragen werden. Wenn sie eine Verordnung bereits vorliegen haben, ist die Diagnose des Arztes ebenfalls interessant.

Um eine möglichst für das Kind entspannte erste Stunde planen zu können ist die Frage nach einem Lieblingsspielzeug des Kindes sinnvoll. Auch Hinweise auf Ängste des Kindes können bei der Planung helfen.

Außerdem sollte beim Erstkontakt eine Bestandsaufnahme gemacht werden. Was können z.B. andere Institutionen wie der Kindergarten oder die Lehrer oder auch andere Berufsgruppen berichten?

Bildung einer Hypothese

Auf Basis dieser Informationen bildet man sich eine Arbeitshypothese.

  • mögliche Diagnose(n)
  • Wie passen Aussagen der Eltern und Ärzte zusammen?
  • Wovon kann ich ausgehen?

Planung der Untersuchung

Anhand der Arbeitshypothese werden nun das weitere Vorgehen geplant. Dazu wird überlegt,

  • welche Tests sind sinnvoll,
  • was will ich auf Basis der Arbeitshypothese testen,
  • welche Verfahren kann und sollte ich nutzen,
  • wie kann ich einen guten Kontakt zum Kind aufbauen?

Durchführung der Untersuchung

Jetzt ist das Kind selbst vor Ort.

Wichtig ist es nun, einen guten Kontakt zum Patienten aufzubauen. Das Kind soll zur Therapie und vor allem zur folgenden Diagnostik motiviert werden.

In dieser Phase kann es ebenfalls sehr sinnvoll sein Video- bzw. Audioaufnahmen zu erstellen. Dies erleichtert die anschließende Auswertung und kann bei der Dokumentation von Erfolgen hilfreich sein.

Grundsätzlich werden in dieser Phase nun die ausgewählten Tests und Verfahren angewandt.

Auswertung der Ergebnisse

Die Auswertung der Tests und Verfahren folgt in dieser Phase der Befundung.

Wichtige Fragestellungen sind:

  • Was fällt besonders auf?
  • Wo sind noch Fragen offen bei der Beurteilung?
  • habe ich bei der Planung der Untersuchung wichtige Untersuchungen nicht berücksichtigt?

Die Ergebnisse werden protokolliert und festgehalten.

Unter Umständen folgt eine Spontansprachanalyse um ggf. offene Fragen beantworten zu können. Die Aufnahmen aus der ersten Stunde mit dem Kind können hier hilfreich sein.

Vergleich mit der Hypothese

Entscheidend ist nun der Vergleich der Ergebnisse mit der anfangs aufgestellten Hypothese.

Hat sich diese bestätigt, sind alle Daten vorhanden, dann kann der Befund zusammen gestellt werden. Ggf. kann nun auch ein erster Bericht an den behandelnden Arzt verfasst werden.

Wenn sich zeigt, dass die Hypothese nicht zutreffend war, ist zu schauen, ob die durch die Befundung erzielten Ergebnisse eine Therapieplanung trotzdem möglich ist oder ob es sinnvoll ist, die Befundung erneut durchzuführen.

Meißtens lässt sich schon während der Durchführung der Tests die Hypothese überprüfen und besteht die Möglichkeit die Auswahl der Tests anzupassen.

Planung der Therapie

Der letzte Schritt ist dann auf Basis des Befundes die Therapie zu planen. Dabei sind alle Ergebnisse zu berücksichtigen.

Wichtig hier: die Prioritäten für die Störungen festlegen.

Außerdem gilt es nun, die Rahmenbedingungen zu beurteilen. Dazu gehören Fragen nach

  • der Familie, dem sozialen Umfeld
  • der Motivation des Kindes
  • den Interessen des Kindes
  • dem Störungsbewusstsein

und weitere.

Buchtipp

Phonologische Störungen bei Kindern
Tanja Jahn
ISBN 3131240911