REST

Die Reduzierte Syntax-Therapie ist ein Therapiekonzept in der Aphasiebehandlung.

Gedacht ist dieses Therapiekonzept hauptsächlich für Broca-Aphasiker mit schwerem Agrammatismus. Es geht von der Hypothese aus, dass bei Agrammatismus eher die morphologische Verarbeitung gestört ist, die ganzheitliche Aktivierung syntaktischer Fragmente hingegen eher leicht fällt.

Ziel

Die deutliche Verbesserung der Kommunikation. Sie soll dadurch erreicht werden, dass die Diskrepanz zwischen den guten Benennleistungen und der schlechten Spontansprache verringert wird durch die Aktivierung der syntaktischen Fragmente.

Voraussetzungen

Störungsbild

  • Stabiles Störungsbild und verständliche Ein-Wort-Äußerungen
  • Benennleistungen (gerade in Bezug auf Verben und Nomen) müssen vorhanden sein. (vgl. Screening zum Wortabruf)

Patient

  • Sprachverständnis muss vorhanden sein.
  • Aufklärung – gerade bei Patienten, die schon längere klassische syntaktische Therapie hinter sich haben.

Screening zum Wortabruf

Neben dem Untertest „Benennen“ des Aachener Aphasie Test muss ein Screening durchgeführt werden. Dabei werden dem Patienten je 30 häufig vorkommende Nomen und Verben in Form von Bildkarten vorgelegt. Diese muss der Patient benennen können. Anderenfalls ist dieses Therapiekonzept nicht geeignet.

Angehörige

  • Aufklärung wichtig!
  • weg vom ganzen Satz.
  • Patienten bestärken, ReST zu nutzen!
  • Beispiel: Auch normale Spontansprache ist fragmentarisch (voller Ellipsen): "Was machst du?" -- "Fernsehen!" im Gegensatz zur korrekteren Form "Was machst du?"-- "Ich sehe fern!"

Therapie

Methodisches Vorgehen

Konstituenten

(syntaktische Funktion) || Beispiele

Phase 1 NP – V

(direktes Objekt – Verb) || Brief schreiben Kaffee getrunken

AP – V

(Adverb – Verb)||schlecht geschlafen lange gewartet

Phase 2 PP – V

(Adverbiale Bestimmung – Verb) || nach Köln gefahren auf Baum klettern

Phase 3 NP – NP –V

(Subjekt – Objekt – Verb) || Willi Haus gekauft Kati Bein gebrochen

NP – V

(Subjekt – Verb) || Frau geschlafen Peter geweint

NP – AP – V

(Subjekt – Adverb – Verb) || Otto laut gelacht Erika schnell gefahren

NP – PP – V

(Subjekt – adverbiale Bestimmung – Verb) || Luise nach Füssen gefahren Klaus nach London fliegen

Phase 4 AP / PP – ... – ... – V – AP / PP

(Zeit) – ... – (Ort) || gestern (Willi) Haus gekauft Kati Bein gebrochen in München

Phase 5 ... – NP – NP – V – ...

(indirektes Objekt – direktes Objekt – Verb) || (Otto) Egon 5 Euro gestohlen, (Fritz) Lisa Brief geschrieben

Phase 1

Objekt-Verb-Verbindungen

  • Beginnen mit Objekten und Verben mit enger Kollokation. (z.B. "Kaffee trinken", "Zähne putzen")
  • Training anhand Bildmaterials oder vorgegebener Sätze.
  • Um sicher zu sein, dass auch beide Wörter – also das Objekt und das Verb – verarbeitet werden, prüft man zuvor das rezeptive Verständnis:\\

Dem Patienten werden Bilder vorgelegt und er soll die vom Therapeuten verbalisierte Handlung zeigen. Zuerst mit weiter semantischer Auswahlmenge und im nächsten Schritt mit enger semantischer Auswahlmenge (z.B. Bildkarten zu "Brot schneiden", "Brot essen", "Wurst schneiden" und "Wurst essen").

Ist der Patient hier sicher, kann davon ausgegangen werden, dass beide Wörter verarbeitet wurden.

  • Zum Einschleifen der Strukturen sind Übungen sinnvoll, bei denen der Patient elliptische Antworten geben soll. "Monika will heute Nachmittag einen Kuchen backen... Was will Monika heute Nachmittag tun?" – "Kuchen backen"
  • Auch in der Spontansprache wird schon darauf geachtet, dass der Patient möglichst Zwei-Wort-Äußerungen benutzt. Dies lässt sich durch Fragen nach Handlungsabläufen des Alltags stimulieren. ("Sie erwarten Besuch zum Kaffe... Was müssen sie tun?" – "Tisch decken, Kaffee kochen, Kuchen backen" usw.)
  • Präfixverben werden häufig über Gegensätze erarbeitet: "aufmachen -- zumachen, ausschalten -- einschalten"

Adverb-Verb-Verbindungen

  • werden durch Gegensätze erarbeitet: "schnell gefahren -- langsam gefahren", "viel gegessen -- wenig gegessen" usw.
  • über Bildkarten oder auch in freier Unterhaltung

Phase 2

Präpositionen, die sich auf das Verb beziehen, werden hier erarbeitet. Dabei ist es wichtig, die Differenzierung der Bedeutung von Präpositionen zu festigen (z.B. "nach Köln fahren -- aus Köln kommen").

Phase 3

  • Voraussetzung ist hier die Festigung von Phase 1 und 2
  • Der Übergang von Phase 2 zu Phase 3 ist besonders schwierig und wird nicht von allen Patienten gemeistert.
  • Die Strukturen werden hier um ein Subjekt erweitert und entsprechen somit nicht mehr den elliptischen Strukturen der normalen Umgangssprache.
  • Eine gute Möglichkeit, diese Phase zu üben, ist das Umwandeln von Phrasen des Therapeuten in ein Telegramm durch den Patienten (z.B. "Willi hat ein Haus gekauft. Der muss doch immer Geld ausgeben..." zu "Willi Haus gekauft").

Phase 4

  • Hier geht es um die Erweiterung der Strukturen aus den vorangegangenen Phasen um eine oder zwei freie Konstituenten an erster oder letzter Stelle.
  • Für Patienten ist es einfacher, wenn zunächst eine feste Position eingehalten wird. Entweder am Anfang oder am Ende. Zum Beispiel adverbiale Bestimmungen der Zeit an den Anfang und des Ortes ans Ende.
  • Zu einem kurzen Text können hier dann Fragen nach dem Wann, Wer, Was gemacht und Wo gestellt werden.

Phase 5

  • ist Erweiterung der Phase 4 um Verben, die sowohl ein direktes als auch ein indirektes Objekt benötigen: z.B. "Dieb Oma Handtasche weggerissen": "Oma" ist indirektes und "Handtasche" direktes Objekt.

Prinzipien

  • Zu der nächsten Phase wird immer dann übergegangen, wenn die Strukturen leicht abrufbar sind und auch in der Spontansprache vorkommen.
  • In jeder Phase sollten erarbeitete Strukturen so schnell wie möglich in die Spontansprache übertragen werden.

Dazu sollten die Patienten ermuntert werden, zu Hause Geschichten nachzuerzählen; die Angehörigen, die verstandenen Inhalte wiederzugeben.


Anhang

Syntaktische Analyse

Buchtipp


Quelle

Referat von Carsten Flötotto und Alexander Fillbrandt, Lehranstalt für Logopädie Gießen, (c) 2002