Phonem

Ein Phonem (selten: Fonem) ist die abstrakte Klasse aller Laute (Phone), die in einer gesprochenen Sprache die gleiche bedeutungsunterscheidende (distinktive) Funktion haben. Das Phonem kann somit als die kleinste, bedeutungsunterscheidende Einheit der Sprache definiert werden. Die Phoneme sind Untersuchungsgegenstand der Phonologie, während die Phonetik die Phone untersucht.

Beispiel: Das Zungenspitzen-r und das Zäpfchen-r sind (objektiv und international) zwei verschiedene Phone, führen jedoch im Deutschen zu keinem Bedeutungsunterschied. Im Deutschen realisieren diese beiden Phone daher nur ein Phonem und werden dann auch Allophone des Phonems /r/ genannt.

Zur Notierung von Phonemen bedient man sich im Allgemeinen der Lautschrift-Symbole des Internationalen Phonetischen Alphabets. Dabei handelt es sich jedoch lediglich um eine Vereinfachung: Da Phoneme nicht mit den Lauten identisch, sondern Positionen innerhalb einer Systematik sind, könnte man im Prinzip jedes beliebige Symbol für ein Phonem verwenden. Zur Unterscheidung werden Phoneme durch Schrägstriche und Phone in eckigen Klammern notiert. Beispiel: "/a/" = das Phonem "a"; "[a]" = das Phon "a"


Phon und Phonem

Phone bilden unterschiedliche Phoneme, wenn dem phonetischen Unterschied in der jeweiligen Sprache ein Bedeutungsunterschied entspricht. Dies stellt man anhand von Wörtern fest, die sich nur in einem Laut unterscheiden. Wenn beide Wörter Unterschiedliches bedeuten, sind die untersuchten Laute der Fall (Realisierungen) unterschiedlicher Phoneme. Dies ist mit „bedeutungsunterscheidend“ gemeint. Beispiele: „Katze“/„Tatze“; „Lamm“/„lahm“; „Beet“/„Bett“, „rasten“ (kurzes a)/„rasten“ (langes a). Ergeben sich Bedeutungsunterschiede, werden die Wörter „Wortpaare“ oder „Minimalpaare“ genannt. Zu erwähnen ist hier auch, dass Phoneme nicht nur als Lautsegmente realisiert werden, sondern auch als suprasegmentale Eigenschaften von Silben auftreten können. So bei den Tonsprachen, die verschieden hohe oder verlaufende Töne auf einer Silbe kennen, die eindeutig bedeutungsunterscheidend sind. Man spricht hier auch von Tonemen, die eine Untergruppe der Phoneme sind. Mit Hilfe dieser sogenannten Minimalpaaranalyse lassen sich alle Phoneme einer Sprache systematisch erfassen und identifizieren: Führt das Ersetzen eines Lauts durch einen anderen zu einer Änderung (oder zum Verlust) der Bedeutung des Wortes, können beide Laute unterschiedlichen Phonemen zugeordnet werden. Bei Phonemen handelt es sich jedoch nicht um die Laute selbst; vereinfacht ausgedrückt kann man ein Phonem als eine Gruppe von Lauten, die von Muttersprachlern der jeweiligen Sprache als „ungefähr gleich“ empfunden werden, auffassen. Es sind also von den Einzellauten (Phonen) einer Sprache abstrahierte Einheiten. Als solche sind sie keine physischen Laute im eigentlichen Sinn, sondern müssen durch entsprechende Allophone realisiert („hörbar gemacht“) werden.