Myofunktionelle Störung

Aus logopädisches Weblexikon
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Myofunktionelle Störungen sind Symptomkomplexe, die bei verschiedenen Erkrankungen vorkommen.

Die orofaciale Muskulatur befindet sich in einem Ungleichgewicht, was zu einer Dysfunktion der orofacialen Muskeln führen kann. Bei einer Myofunktionellen Störung ist der Tonus der extra- und intraoralen Muskulatur gestört und zwar so, dass es dadurch zu einem falschen Schluckmuster und oftmals zu Artikulationsstörungen Dyslalie Klassifikationsmodell nach Dodd kommt.

Wenn keine weiteren Störungen vorliegen werden sie als motorische Teilleistungsschwäche aufgefasst. In der Regel besteht jedoch noch ein Schetismus oder Sigmatismus.


Das orofaciale System

Das orofaciale System umfasst knöcherne, muskuläre und sensorische Strukturen


  • der Mimik
  • des Kauorgans
  • der Zunge
  • des Gaumensegels


sowie deren Funktionen.


Orofaciale Funktionen

Primärfunktion :

  • Atmung
  • Saugen
  • Beissen
  • Kauen
  • Schlucken


Sekundärfunktion :

  • Artikulation
  • Phonation
  • nonverbale Kommunikation


Beteiligte Muskelgruppen und deren Innervation


  • Mimische Muskulatur - Innervation : N. facialis ( VII )
  • Kaumuskulatur - Innervation : N. trigeminus ( V )
  • Zungenmuskulatur - Innervation : N. hypoglossus ( XII )
  • Gaumensegelmuskulatur - Innervation : N. glossopharyngeus ( IX ) und Äste des N. vagus ( X )


Bedeutungsvolle Muskeln der mimischen / kaufunktionellen Muskulatur

  • M. orbicularis oris
  • M. zygomaticus
  • M. risorius
  • M. levator labii superioris
  • M. buccinator
  • M. masseter
  • M. mentalis
  • M. temporoparietalis


Ursachen Myofunktioneller Störungen

  • genetische Einflüsse
  • Frühgeburten mit vorübergehender Störung der Koordination
  • Falsch erlernte Schluckmuster durch Flaschenernährung mit zu großer Saugöffnung
  • Langer Gebrauch eines Schnullis
  • unphysiologische Kopf - und Körperhaltung
  • Mundatmung die organisch durch Adenoide, Polypen oder Septumdeviation, sowie habituell durch Hypotonie und Lutschgewohnheiten bedingt sein kann.
  • Makroglossie
  • Tonsillen Hyperplasie
  • skelletale Anomalien der Kiefer oder des Gaumens ( Lippen - Kiefer - Gaumen - Spalten )
  • orale Gewohnheiten
  • zu flüssige, "inaktivierende" Nahrung, wenn das Kind seinem Alter entsprechend schon beißen / kauen müsste.
  • Störungen der sensorisch - taktilen Kontrolle
  • zerebrale Bewegungsstörungen
  • Myasthenia gravis ( Störung der neuromuskulären Reizübertragung )
  • Hirnnervenparesen
  • Hydrocephalus
  • minimale cerebrale Dysfunktion
  • Ankyloglossie ( verkürztes Zungenbändchen )
  • Nachahmung schlechter Vorbilder
  • Überforderung körperlicher und / oder psychischer Art
  • Reifungsstörungen
  • allgemeine Entwicklungsstörungen


Symptome Myofunktioneller Störungen

  • Artikulationsstörung
  • Mundatmung
  • interdentale Zungenlage
  • anteriores oder laterales Zungenpressen sowie grimassierende Aktivität der Gesichtsmuskulatur beim Schlucken
  • Salivation ( "Sabbern" ) und dadurch verursachter perioraler Ausschlag
  • intensive Lutschgewohnheiten
  • Bruximus ( Zähneknirschen )
  • Schmerzen im Kiefergelenk
  • kurze, weiche Oberlippe bei hyperplastisch vorgewölbter Unterlippe mit stark ausgeprägtem M. mentalis
  • hypoaktive Kaumuskulatur und Okklusionsstörung


Siehe auch