Klinische Schluckuntersuchung

Bei der klinischen Schluckuntersuchung werden alle für das Schlucken relevanten Funktionen geprüft. Sie umfasst unterschiedliche Bereiche.

wichtige Inhalte

Eine klinische Schluckuntersuchung umfasst ein paar wichtige Elemente. Dazu gehören in jedem Fall die Vigilanz, die Sensibilität und die Muskulatur der am Schlucken beteiligten Strukturen.

Vigilanz und Compliance

Aufmerksamkeit, Vigilanz und die nötige Compliance sind wichtige Faktoren für die Beurteilung des Schluckaktes.

Patienten, die sehr müde sind, sich nur sehr kurz auf eine Sache konzentrieren können oder auf Grund kognitiver Einschränkungen nicht in der Lage sind, adäquat auf ihr Störungsbild zu reagieren, haben ein erhöhtes Aspirationsrisiko.

Sensibilität

Die Sensibilität - also die Wahrnehmung - ist für den regelrechten Schluckakt wichtig. Über die sensiblen Fasern der am Schlucken beteiligten Hirnnerven werden Informationen an das Gehirn und somit die Schluckzentren im Hirnstamm übermittelt, die für einen physiologischen Ablauf notwendig sind.

Ist die Sensibilität für taktile und thermische Reize reduziert, können wichtige Informationen nicht an das Schluckzentrum gemeldet werden. Ist dies der Fall, besteht die Gefahr, dass wichtige Reaktionsketten nicht in Gang kommen oder Schutzmechanismen des Körpers nicht auslösen.

Eine Überprüfung der Sensibilität schließt daher die Überprüfung der Reflextriggerung mit ein. Wichtig, aber nicht essentiell für den Schluckakt, ist der Würgereflex. Entscheidender ist das Auslösen des Schluckreflexes.

Außerdem deutet zum Beispiel eine reduzierte Sensibilität in den Wangentaschen an, dass hier möglicherweise Residuen (Speisereste) verbleiben.

Motorische Funktion

Neben der Sensibilität wird im Rahmen der klinischen Schluckuntersuchung überprüft ob einzelne Bewegungen und Bewegungsmuster möglich sind. Zeigt sich im Rahmen der Untersuchung, dass die Zunge in ihrer Bewegungsfähigkeit eingeschränkt ist, deuten sich hier bereits Probleme für die orale Vorbereitung des Schluckaktes an.

Auch die Larynxelevation mit ihrer anterior-Bewegung, wird bei der klinischen Schluckuntersuchung überprüft. Sie lässt sich durch Palpation von Außen leicht kontrollieren.

Die Überprüfung willentlicher Schutzmechanismen wie Husten und Räuspern ist ebenfalls wichtig: ist bereits das willkürliche Husten kraftlos, besteht die Gefahr, dass im Falle einer Aspiration der Hustenstoß nicht ausreicht, um die aspirierten Bolusteile wieder aus den Atemwegen zu entfernen.

Schluckversuch

Im Rahmen einer klinischen Schluckuntersuchung wird fast immer auf einen Wasserschluck-Test zurückgegriffen. Der bekanntest Wasserschluck-Test ist der nach Daniels.

Bekannte klinischen Schluckuntersuchungen

GUSS - Gugging Swallowing Screen

Der GUSS (Trapl M. 2007) wurde in Österreich von Michala Trapl entwickelt und eignet sich besonders auch für den Einsatz durch Pflegende.

Der GUSS beinhaltet einen Teil mit Überprüfung der wichtigsten Basisleistungen und einen direkten Schluckversuch.

Die Ergebnisse werden in einer Tabelle festgehalten und mit Punktwerten versehen. Anhand der Summe der einzelnen Punktwerte können sowohl der Schweregrad der Dysphagie als auch Empfehlungen für die akute Ernährung und das weitere Prozedere abgeleitet werden.

Wasserschluck nach Daniels

In dieser Variante des Wasser-Schluck-Tests wird dem Patienten Wasser zu trinken gegeben. Zuerst 2x 5ml, dann 2x 10ml, dann 2x 20ml. Im Anschluss wird mit einer kurzen Stimmprobe der Stimmklang überprüft. Folgende Kriterien sind für die Auswertung wichtig:

  • Lässt sich eine Dysphonie beoachten?
  • Liegt eine Dysarthrie vor?
  • Lässt sich ein abnormer Würgereflex beobachten?
  • Kommt es zu abnormem willentlichen Husten?
  • Hustet der Patient nach dem Schlucken?
  • Ist der Stimmklang nach dem Schlucken verändert?

Bei zwei positiv beantworteten Fragen gilt der Wassertest nach Daniels als positiv - was in diesem Fall die Verdachtsdiagnose Dysphagie bedeutet.

Der Wassertests nach Daniels ist ein gutes Instrument der klinischen Schluckuntersuchung um eine mögliche Schluckstörung zu bestätigen. Für eine Therapieplanung reicht das Ergebnis nicht aus. Dafür sind Verfahren notwendig, die eine genauere Betrachtung der Vorgänge während des Schluckens ermöglichen. Die VFS oder FEES sind deutlich aussagekräftiger für die Planung der Dysphagie-Therapie.

Für die Therapieplanung sind - neben dem Wissen, ob eine Dysphagie vorliegt oder nicht - Informationen über die Sensibilität im Pharynx, über postdeglutitive Residuen und die Effektivität von kompensatorischen Schluckmustern nötig.

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