Dysgrammatismus (Kindersprache)

Beim Dysgrammtismus in der Kindersprache handelt es sich um eine verzögerte oder gestörte Grammatikentwicklung.


verzögert vs. gestört

Verben Kasus Genus
verzögert gestört verzögert gestört verzögert gestört
Das Kind ab fünf Jahren läßt Verben aus, zeigt falsche Verbstellung, läßt Subjekte aus, hat mit anderen Flexionen Probleme und kann besser mit Vollverben umgehen als mit Hilfsverben. Bildet aber noch keine -st Flexion (2. Person singular aktiv) Wie beim verzögerten Erwerb, aber das Kind bildet die -st Flexion korrekt Es treten Fehler beim Akkusativ und Genitiv auf aber auch beim Dativ Es treten Fehler bei Akkusativ, Genitiv aber nicht beim Dativ Das Kind benutzt keine bestimmten Artikel, zeigt noch Auslassungen bei Artikel und die Fehler sind konstant Das Kind benutzt bereits bestimmte Artikel, läßt trotzdem andere aus und zeigt ein Mehrfachangebot (also teilweise maskuline und feminine Markierungen)

Therapie der Basisleistungen

Zu Beginn der Therapie ist es wichtig Basisleistungen zu trainieren.

  • Aufmerksamkeit: sie ist nötig um bestimmte Formen und Flexionen wahrzunehmen
  • Aktionsbereitschaft: grammatische Formen lassen sich nur aktiv lernen, das Kind muss also motiviert sein.
  • Sensomotorische Integration: alle Wahrnehmungskanäle sollten einigermaßen gut entwickelt sein
  • kognitive Funktion: Symbolspiel sollte vorhanden sein und das Kind sollte zur Regelbildung fähig sein. Außerdem sollte das Gedächtnis trainiert sein

Die Schwerpunkte der Therapie

Bereich Verben

In der Therapie werden dem Kind die erste und zweite Person singular aktiv als Gegenüberstellung angeboten.

Das Kind soll die Unterschiede und Zusammenhänge verstehen und nicht auswendig lernen.

Bei einem gestörten Erwerb werden zuerst die Hilsverben und dann die Vollverben behandelt.

Bereich Kasus

Bei einem verzögerten Erwerb werden erst die Artikel dann die Personalpronomen behandelt und erst der Akkustiv und dann der Dativ.

Bei einer gestörten Entwicklung hingegen werden zuerst die Personalpronomen dann die Artikel behandelt und Akkusativ und Dativ gegenüber gestellt.

Ablauf der Therapie

  1. Zielstruktur auswählen (z.B. Modalverben)
  2. passende Spielverpackung wählen (z.B. "Einkaufen" um //will// zu fördern)
  3. Input geben; Therapeut dient als Modellgeber und betont die Zielstruktur
  4. die Zielstruktur wird vom Kind "verlangt"... es sollte Imitieren
  5. bei korrekter Imitation sollte die Struktur gefestigt werden und die nächste Zielstruktur gewählt werden.

Grundsätzlich sollten die Eltern auch zu Hause die Zielstruktur vermehrt und deutlich anbieten (Input!)