Aphasie Check-Liste

Die Aphasie Check-Liste (ACL) ist ein Verfahren in der Aphasiediagnostik das sich weniger auf die Einteilung in Syndrome konzentriert als z.B. der Aachener Aphasie Test sondern versucht die Leistungen und Fehlleistungen des Patienten zu beschreiben. Sie wurde vom Max-Planck-Institut für neurologische Forschung und dem ProLog-Verlag, wo sie publiziert ist, entwickelt.

Kurzbeschreibung

Getestet werden das Sprachverständnis, die verbale und schriftsprachliche Sprachproduktion und das Nachsprechen jeweils auf Laut-, Wort- und Satzebene. Zusätzlich werden Aufgaben zur formal-lexikalischen und semantisch-lexikalischen Wortgenerierung, zum Reihensprechen, zu Pseudowörtern, zum verbalen Umgang mit Zahlen sowie ein kommunikativ-pragmatisches Einschätzungsraster gestellt.

Alle Modalitäten werden anschließend ausführlich beschrieben und auf einer Skala eingetragen, so dass ggf. Verlaufskontrollen leicht möglich sind.

Der Vorteil gegenüber dem AAT liegt aber auch in der deutlich kürzeren Durchführung. Inklusive Auswertung dauert die ACL ca. eine Stunde.

Das Bildmaterial ist modern gehalten.

Kritik

Die ACL sollte als eines der Entwicklungsziele möglichst zeitökonomisch sein. Das haben die Entwickler geschafft. So wurden zu überprüfende Inhalte zusammengefasst. Zum Beispiel wird beim lauten Lesen gleichzeitig das Lese-Sinn-Verständnis geprüft.

Aber auch die Anzahl der Items wurde im Vergleich zu anderen Testverfahren deutlich reduziert. Das ist sicher der entscheidende Punkt, den sich die ACL als Kritik gefallen lassen muss. So sind beim Benennen fünf Items zu bearbeiten, aber nur eines ist ein einfaches Nomen (Buch). Dazu kommt ein Komposita und dann zwei Sätze und eine Bildbeschreibung. Für eine ausführliche Testung der Benennleistung erscheint die Anzahl der Items sehr gering und unzureichend.

ACL als Alternative zum AAT

Jürgen Tesak von der Europa Fachhochschule Fresenius in Idstein und Jutta Küst vom neurologischen Rehabilitationszentrum (NZR) Godeshöhe in Bonn haben im Rahmen einer Studie die Frage geklärt, inwieweit die ACL klinisch einsetzbar ist und wie gut sich auf ihren Ergebnissen eine symptomorientierte Therapie planen lässt.

Die Studie kommt zu folgendem Ergebnis:

"Der Vergleich der beiden Testverfahren und die Erfahrungen in der Anwendung ergeben, dass die ACL eine klinisch brauchbare Alternative zum AAT darstellt.

(1) Im AAT entdeckte Aphasien können auch in der ACL zuverlässig erkannt werden,
(2) multimodale sprachliche Defizite können in ihrem Schweregrad in der ACL transparent abgebildet werden,
(3) die ACL-Diagnostik erlaubt eine erste Therapieplanung auf Symptomebene.

Zeit- und Kostendruck rechtfertigen keineswegs immer kürzere und damit möglicherweise uninformativere Diagnostikverfahren. Drei Gründe allerdings sprechen für eine zeitökonomischere Diagnostik auf Symptomebene:

(i) die tatsächlich zur Verfügung stehende Zeit in der Sprachtherapie,
(ii) die bei Aphasie ohnedies notwendige therapiebegleitende Diagnostik, welche Lücken der initialen Diagnostik schließen kann,
(iii) die gewonnene Zeit kann direkt in kommunikative Diagnostik investiert werden.

Insgesamt sprechen somit neben theoretischen Überlegungen auch praktische Erwägungen für einen Einsatz der ACL im klinischen Kontext."

aus: Arbeiten zur Aphasie, J. Tesak, 20071, Schulz-Kirchner, Seite 45 ff.


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