Aphasie

Aus logopädisches Weblexikon
Wechseln zu: Navigation, Suche

Aphasien sind Beeinträchtigungen der zentralen Sprachverarbeitung, die durch temporäre, bleibende oder fortschreitende Schädigungen der perisylvischen Region in der sprachdominanten Hemisphäre (meist links) des Gehirns bedingt sind.

Betroffen ist das Sprachzentrum das sich aus verschiedenen sprachrelevanten Arealen zusammensetzt.

Die Areale sind um die seitliche Hirnfurche //(Fissura sylvii)// angeordnet und umfassen die angrenzenden Hirnwindungen des Stirn-, Schläfen-, Scheitel- und Hinterhauptslappen, sowie den Inselkortex und das unter den genannten Rindenarealen liegende Marklager.


Ursache

Aphasien können auftreten nach Schädigungen des Gehirns durch

Einteilung

Aphasien können grundsätzlich in drei Kategorien eingeteilt werden (die kategoriale Einteilung von Aphasien ist aber wissenschaftlich umstritten):

flüssige Aphasie: Der Sprachfluss ist normal, es kommt aber zu Störungen beim Sprachverständnis und/oder beim Nachsprechen von Wörtern, Satzteilen oder Sätzen, die von anderen gesprochen werden.

nicht-flüssige Aphasie: Meist ist das Sprachverständnis besser erhalten, expressive Sprachleistungen hingegen weisen stärkere Störungen auf.

Aphasie: Eine Aphasie bezeichnet allgemein das Vorhandensein einer zentralen erworbenen (also nicht angeborenen oder entwicklungsbingten) Sprachstörung nach Abschluss des Primärspracherwaerbs.

Mit Hilfe z.B. des Aachener Aphasie Tests lassen sich Aphasien in vier unterschiedliche Syndrome (Aachener Schule) klassifizieren:

Daneben gibt es noch weitere Klassifikationen:

Grundsätzlich ist auch die Unterteilung in Syndrome umstritten. Klinisch lassen sich diese kaum in Reinform beobachten und therapeutisch steht der Nutzen einer solchen Unterteilung in Frage.

Diagnostik

Je nach Zeitpunkt der Testung und Fragestellung gibt es im Deutschen mehrere Testverfahren:

Behandlung

Die Behandlung einer Aphasie wird durch Sprachtherapeuten, wie Logopäden, Klinische Linguisten, Patholinguisten oder spezialisierte Sprachheilpädagogen durchgeführt und orientiert sich in erster Linie an den individuellen Zielsetzungen, die dem betroffenen Patienten ermöglichen sollen, in grösstmöglichem Umfang wieder an seinem normalen sozialen Leben teilhaben zu können. Es ist nach ICF zwischen Zielsetzungen auf den Ebenen der Körperfunktionen, der Aktivitäten im Alltag und der sozialen Teilhabe zu unterscheiden. Zur Erreichung der verschiedenen Ziele stehen zahlreiche Therapiekonzepte zur Verfügung, die jedoch nur teilweise evidenzbasiert sind. Bekannte Therapiekonzepte für die Behandlung von aphasischen Störungen auf der Funktionsebene einer Aphasie sind:

  • MODAK - bei mittelschwer bis schwer betroffenen Patienten
  • REST - zur Behandlung des schweren Agrammatismus
  • PACE - für Ziele im Bereich der sprachlichen Aktivitäten (wie z.B. Fragen stellen)

Prognose

Abhängig vom initialen Schweregrad, dem Alter und einer Reihe weiterer Faktoren ist eine Besserung durch intensive sprachtherapeutische Behandlung zu erwarten. Genauere Vorhersagen lassen sich nur im individuellen Fall unter Auswertung aller verfügbaren Informationen treffen.

Webseiten

Buchtipps



Das Schweigen verstehen
Luise Lutz
ISBN 3540204709